Abraham Wald wurde 1902 in Kolozsvár (heute Cluj, Rumänien) geboren und studierte Mathematik in Wien. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 emigrierte er in die USA. Er arbeitete dort zunächst an der Cowles Commission und lehrte später an der Columbia University. Er starb 1950 bei einem Flugzeugabsturz in Indien.
Im Zweiten Weltkrieg gehörte er der Statistical Research Group der Columbia University an. Dort entstand die Sequentialanalyse, ein Verfahren, bei dem man nach jeder Beobachtung entscheidet, ob die Datenlage schon ausreicht oder weiter geprüft werden muss; das Buch dazu erschien 1947. Danach entwickelte er die statistische Entscheidungstheorie weiter.
Im Wissensbereich begegnet er in der Geschichte zum Survivorship-Bias: Für die Panzerung von Bombern wurden zurückgekehrte Flugzeuge untersucht, und Wald wies darauf hin, dass ihnen die abgeschossenen fehlten. Er schätzte dazu, wie wahrscheinlich ein Flugzeug nach Treffern an verschiedenen Stellen noch zurückkehrt. Diese Arbeit ist in ihren Memoranden belegt; die verbreitete Erzählung dazu ist jedoch vereinfacht, und das Bild vom Mathematiker, der mit einer einzigen Einsicht die Panzerung umdrehte, überzeichnet seinen Beitrag. Die Verwendung in Geschäftsanalysen wird auch im Artikel Wie Dashboards Entscheidungen verzerren erwähnt.
Quellen
- Mangel, M. & Samaniego, F. J. (1984). Abraham Wald’s Work on Aircraft Survivability. Journal of the American Statistical Association, 79(386), 259–267.
- Casselman, B. (2016). The Legend of Abraham Wald. American Mathematical Society, Feature Column, Juni 2016.
- Wald, A. (1947). Sequential Analysis. Wiley.
- MacTutor History of Mathematics: Abraham Wald. mathshistory.st-andrews.ac.uk/Biographies/Wald/