Diane Vaughan forscht zu der Frage, wie Fehler, Fehlverhalten und Katastrophen in Organisationen entstehen. Ihr bekanntestes Werk ist The Challenger Launch Decision (1996), eine jahrelange Untersuchung der Entscheidungen, die zum Start der Raumfähre Challenger im Januar 1986 führten.
Vaughan widersprach der verbreiteten Erklärung, Manager hätten aus Termindruck bewusst Sicherheitsbedenken übergangen. Sie zeigte stattdessen, wie sich über Jahre das Verständnis dessen verschob, was als akzeptables Risiko galt. Schäden an Dichtungsringen wurden immer wieder untersucht und als tolerierbar eingestuft, bis sie zur Normalität gehörten. Dafür prägte sie den Begriff normalization of deviance (siehe Normalisierung von Abweichungen).
Nach dem Verlust der Raumfähre Columbia 2003 wurde Vaughan von der Untersuchungskommission hinzugezogen, die in ihrem Bericht ähnliche organisatorische Muster fand. Ihre Arbeit zeigt, dass Sicherheit weniger von einzelnen Entscheidungen abhängt als von der Kultur, in der Abweichungen bewertet werden.