Im Englischen spricht man von deskilling oder skill degradation. Das Phänomen ist aus der Luftfahrt gut belegt. Moderne Flugzeuge fliegen den größten Teil der Strecke mit dem Autopiloten. Pilotinnen und Piloten steuern von Hand oft nur noch wenige Minuten pro Flug. Wenn die Automatik sich in einer kritischen Lage abschaltet, müssen sie genau das beherrschen, was sie kaum noch üben.
Der Absturz von Air-France-Flug 447 im Jahr 2009 wird in diesem Zusammenhang oft genannt. Nach dem Ausfall der Geschwindigkeitsmessung schaltete sich der Autopilot ab, und die Besatzung fand in der unübersichtlichen Lage nicht zu einer angemessenen manuellen Steuerung zurück. Die Ursachen waren vielfältig, der Fall hat aber die Debatte über manuelle Flugpraxis verstärkt. Die US-Luftfahrtbehörde FAA empfahl 2013 ausdrücklich, dass Besatzungen häufiger von Hand fliegen sollten.
Der Verlust betrifft nicht nur motorische Fertigkeiten. Wer Texte nur noch von einem Sprachmodell entwerfen lässt, verliert mit der Zeit das Gefühl dafür, wie ein guter Text entsteht. Wer Code nur noch prüft statt schreibt, erkennt subtile Fehler schlechter. Und wer die Arbeit nie selbst gemacht hat, kann eine Automatik kaum sinnvoll überwachen.
Gegenmittel sind bewusst geplante Übung und Aufgaben, in denen Menschen regelmäßig selbst die Arbeit machen, auch wenn die Automatik es könnte. Das wirkt ineffizient, ist aber die Versicherung für den Fall, den Lisanne Bainbridge beschrieben hat. Verwandt ist der Verlust von Situationsbewusstsein.