Gerd Gigerenzer leitete am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin den Forschungsbereich „Adaptives Verhalten und Kognition“ und gründete das Harding-Zentrum für Risikokompetenz. Er gehört zu den bekanntesten deutschen Psychologen und hat mehrere populäre Bücher geschrieben, darunter Bauchentscheidungen (2007) und Risiko (2013).
Gigerenzer ist der prominenteste Kritiker der Heuristik-und-Verzerrungs-Forschung um Daniel Kahneman und Amos Tversky. Er hält viele der dort beschriebenen „Fehler“ für vernünftige Strategien, die in der richtigen Umgebung sehr gut funktionieren (siehe Ökologische Rationalität). Einfache Faustregeln sind aus seiner Sicht oft robuster als komplizierte Modelle, besonders wenn die Zukunft sehr unsicher ist.
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Risikokompetenz. Gigerenzer zeigte, dass selbst Ärztinnen und Ärzte Testergebnisse oft falsch deuten, wenn sie als Wahrscheinlichkeiten angegeben werden, und viel besser urteilen, wenn dieselbe Information als natürliche Häufigkeit dargestellt wird: „10 von 1.000 Menschen“ statt „1 Prozent“. Das ist auch für die Gestaltung von Dashboards eine nützliche Regel.