Gibt es im Englischen mehr Wörter, die mit dem Buchstaben K beginnen, oder mehr Wörter, bei denen K an dritter Stelle steht? Die meisten Menschen tippen auf den Wortanfang, weil ihnen dazu schneller Beispiele einfallen. Tatsächlich ist K an dritter Stelle deutlich häufiger. Mit diesem Experiment beschrieben Amos Tversky und Daniel Kahneman 1973 die Verfügbarkeitsheuristik.
Die Faustregel ist grundsätzlich vernünftig: Was häufig vorkommt, fällt uns meistens auch leichter ein. Sie führt aber in die Irre, wenn etwas aus anderen Gründen präsent ist, weil es spektakulär, neu, emotional oder kürzlich in den Nachrichten war. Flugzeugabstürze werden deshalb regelmäßig für gefährlicher gehalten als Autofahrten, obwohl die Statistik das Gegenteil sagt.
In Organisationen zeigt sich der Effekt bei Trends und Hypes. Worüber auf jeder Konferenz gesprochen wird, erscheint dringlicher als leise Entwicklungen, die in keinem Vortrag vorkommen. Bei der Trendanalyse lohnt es sich deshalb, zwischen Aufmerksamkeit und tatsächlicher Verbreitung zu trennen. Auch Mitarbeitergespräche sind betroffen: Die letzten Wochen vor der Beurteilung sind präsenter als das Jahr davor.
Hilfreich sind einfache Gegenfragen: Wie oft kommt das tatsächlich vor? Woher wissen wir das? Welche Fälle fallen uns nicht ein, weil niemand über sie spricht? Die Verfügbarkeitsheuristik ist eine der kognitiven Verzerrungen, die sich gut durch Zahlen statt Erinnerung abfangen lassen.