Daniel Kahneman war Psychologe und lehrte an der Hebräischen Universität Jerusalem und später an der Princeton University. 2002 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis, geteilt mit Vernon Smith, weil er Erkenntnisse der Psychologie in die Wirtschaftswissenschaft eingebracht hatte, vor allem zu Urteilen und Entscheiden unter Unsicherheit.
Seine wichtigsten Arbeiten entstanden mit Amos Tversky. Sie zeigten, dass Menschen bei Schätzungen und Wahrscheinlichkeitsurteilen systematisch von dem abweichen, was die Statistik verlangt, und dass sie dabei einfachen Faustregeln folgen. Daraus gingen der Anker-Effekt, die Verfügbarkeitsheuristik, das Framing und die Prospect Theory mit der Verlustaversion hervor. Mit Dan Lovallo beschrieb er 1993 die Innensicht bei Prognosen, die zum Planungsfehlschluss führt; sie ist im Artikel zum Innovationsportfolio Thema. Sein Buch Thinking, Fast and Slow (2011) fasst das Forschungsfeld zusammen und führte die Unterscheidung von System 1 und System 2 ein (Schnelles und langsames Denken). Auch die Regression zur Mitte schildert er an einem Beispiel aus der Ausbildung von Fluglehrern.
Zur Einordnung gehört, dass sich einzelne im Buch berichtete Studien, vor allem zum sogenannten Priming, später nicht zuverlässig wiederholen ließen; Kahneman hat das eingeräumt. Die Kernbefunde zu Ankern, Framing und Verlustbewertung sind davon nicht betroffen, werden aber hinsichtlich ihrer Stärke im Einzelfall diskutiert.
Quellen
- Nobel Prize Outreach: Daniel Kahneman, Facts. nobelprize.org/prizes/economic-sciences/2002/kahneman/facts/
- Tversky, A. & Kahneman, D. (1974). Judgment under Uncertainty: Heuristics and Biases. Science, 185(4157), 1124–1131.
- Kahneman, D. & Tversky, A. (1979). Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk. Econometrica, 47(2), 263–291.
- Kahneman, D. & Lovallo, D. (1993). Timid Choices and Bold Forecasts. Management Science, 39(1), 17–31.
- Kahneman, D. (2011). Thinking, Fast and Slow. Farrar, Straus and Giroux.