Framing (deutsch etwa Einbettung oder Rahmung) bezeichnet den Befund, dass Menschen dieselbe Sachlage unterschiedlich beurteilen, je nachdem, wie sie beschrieben wird. Das bekannteste Experiment stammt von Amos Tversky und Daniel Kahneman (1981): 600 Menschen sind von einer Krankheit bedroht. Wird das sichere Programm als „200 Menschen werden gerettet“ beschrieben, wählen es 72 Prozent der Befragten gegenüber einem riskanten Programm. Wird dasselbe Programm als „400 Menschen sterben“ beschrieben, wählen es nur 22 Prozent.
Die Forschung unterscheidet mehrere Formen. Levin, Schneider und Gaeth (1998) ordnen sie in Risikowahl-Framing (wie im Beispiel), Attribut-Framing (etwa „75 Prozent mageres Fleisch“ gegenüber „25 Prozent Fett“) und Ziel-Framing (Nutzen des Handelns gegenüber Schaden des Unterlassens). Eine Meta-Analyse von Kühberger (1998) fand den Effekt insgesamt, aber mit stark schwankender Stärke je nach Aufgabe und Darstellung.
Im Wissensbereich begegnet der Begriff an mehreren Stellen: Jede Gestaltungsentscheidung eines Dashboards legt Vergleichswert und Reihenfolge fest (Wie Dashboards Entscheidungen verzerren). In einem Experiment schwächte die Arbeit mit Szenarien den Framing-Effekt ab (Strategische Vorausschau). Und in der Arbeit an psychologischer Sicherheit gilt es als Frage der Rahmung, ob eine Aufgabe als Ausführungs- oder als Lernproblem erscheint. Dass dies dieselbe Art von Effekt ist wie in den Laborexperimenten, ist eine Übertragung und nicht eigens belegt.
Quellen
- Tversky, A. & Kahneman, D. (1981). The Framing of Decisions and the Psychology of Choice. Science, 211(4481), 453–458.
- Levin, I. P., Schneider, S. L. & Gaeth, G. J. (1998). All Frames Are Not Created Equal: A Typology and Critical Analysis of Framing Effects. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 76(2), 149–188.
- Kühberger, A. (1998). The Influence of Framing on Risky Decisions: A Meta-analysis. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 75(1), 23–55.