Amy Edmondson ist Professorin für Führung und Management an der Harvard Business School und erforscht, wie Teams in Organisationen lernen. Bekannt wurde sie durch ihren Aufsatz „Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams“ (1999), in dem sie psychologische Sicherheit als geteilte Überzeugung eines Teams beschrieb, dass man Fragen, Fehler oder abweichende Meinungen äußern kann, ohne dafür bloßgestellt oder bestraft zu werden.
Ausgangspunkt war eine Untersuchung von Krankenhausteams, in der Teams mit besserer Zusammenarbeit mehr Medikationsfehler meldeten, nicht weniger. Edmondson deutete das als Unterschied im Berichten, nicht im Fehlermachen: Wo es sicher ist, Fehler anzusprechen, kann eine Organisation aus ihnen lernen. Ihr Buch The Fearless Organization (2018) fasst die Forschung für ein breiteres Publikum zusammen.
Für Innovationsvorhaben ist der Gedanke bedeutsam, weil Experimente häufig scheitern und ein Team nur dann daraus lernt, wenn es darüber sprechen kann. Im Wissensbereich behandelt der Artikel Psychologische Sicherheit als Innovationsmotor das Konzept ausführlicher.
Eine Grenze: Psychologische Sicherheit ist nicht dasselbe wie Wohlfühlklima oder Konfliktvermeidung. Edmondson selbst betont, dass sie mit hohen Leistungsansprüchen zusammengehen soll. Ob sich das Konzept in allen Kulturen und Branchen gleich messen lässt, wird in der Forschung weiterhin diskutiert.
Quellen
- Edmondson, A. (1999): Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams. Administrative Science Quarterly 44(2), 350–383.
- Edmondson, A. (1996): Learning from Mistakes Is Easier Said Than Done: Group and Organizational Influences on the Detection and Correction of Human Error. Journal of Applied Behavioral Science 32(1), 5–28.
- Edmondson, A. C. (2018): The Fearless Organization. Wiley.
- Amy Edmondson bei Wikipedia.