Spätindikatoren (englisch lagging indicators) zeigen ein Ergebnis, wenn es bereits eingetreten ist: Kündigungen, Umsatz, Unfallzahlen. Frühindikatoren (leading indicators) deuten es an, solange noch gegengesteuert werden kann: sinkende Nutzung eines Produkts, steigende Beschwerden, überfällige Wartungen. Die Unterscheidung ist vor allem durch die Balanced Scorecard von Kaplan und Norton bekannt geworden, die Ergebnisgrößen und die sie beeinflussenden Treibergrößen verknüpft.
Ein Kennzahlensystem, das nur Spätindikatoren enthält, berichtet zuverlässig, aber zu spät. Frühindikatoren sind dagegen unsicherer: Ob sie das Ergebnis wirklich ankündigen, ist eine Annahme über einen Zusammenhang, die geprüft werden muss. Wird ein Frühindikator zum Ziel erklärt, greift außerdem Goodharts Gesetz, und er verliert womöglich genau die Vorhersagekraft, derentwegen man ihn gewählt hat.
Grenze: Ob eine Kennzahl früh oder spät ist, hängt vom Gegenstand ab. Dieselbe Zahl kann für die eine Entscheidung ein Frühindikator sein (Auftragseingang für den Umsatz) und für eine andere ein Spätindikator (Auftragseingang für die Qualität der Akquise).
Quellen
- Kaplan, R. S. & Norton, D. P. (1992). The Balanced Scorecard: Measures That Drive Performance. Harvard Business Review, 70(1), 71–79.
- Kaplan, R. S. & Norton, D. P. (1996). The Balanced Scorecard: Translating Strategy into Action. Harvard Business School Press.