Niklas Luhmann war zunächst Verwaltungsjurist in Niedersachsen. Nach einem Studienaufenthalt an der Harvard University wechselte er in die Soziologie und lehrte ab 1968 an der neu gegründeten Universität Bielefeld. Sein Forschungsvorhaben beschrieb er dort knapp: Theorie der Gesellschaft, Laufzeit 30 Jahre, Kosten keine.
Luhmann entwickelte die soziologische Systemtheorie. Soziale Systeme bestehen aus seiner Sicht aus Kommunikation, Organisationen aus Entscheidungen. Sie erhalten sich selbst und nehmen ihre Umwelt nur nach eigenen Unterscheidungen wahr. Zu seinen wichtigsten Werken gehören Soziale Systeme (1984) und das nach seinem Tod erschienene Organisation und Entscheidung (2000).
Berühmt ist auch sein Zettelkasten mit rund 90.000 Karteikarten, die er über Nummern und Verweise untereinander verknüpfte. Er selbst nannte ihn seinen Gesprächspartner. Für einen Wissensbereich, der als Netz aus Bausteinen organisiert ist, ist das ein naheliegendes Vorbild.