„Systemtheorie“ bezeichnet eine ganze Familie von Ansätzen, von der Kybernetik der 1940er Jahre bis zu Peter Senges Systemdenken. Im deutschsprachigen Raum meint der Begriff meist die soziologische Systemtheorie von Niklas Luhmann, die die Organisationsberatung stark geprägt hat.
Luhmanns Ausgangspunkt ist ungewohnt: Soziale Systeme bestehen nicht aus Menschen, sondern aus Kommunikation. Eine Organisation besteht aus Entscheidungen, die an frühere Entscheidungen anschließen. Menschen gehören zur Umwelt dieses Systems. Das klingt kalt, erklärt aber einiges: Eine Organisation kann ihre Mitglieder fast vollständig austauschen und bleibt doch dieselbe, mit denselben Gewohnheiten.
Zentral ist der Begriff der Autopoiesis: Systeme erzeugen und erhalten sich selbst. Sie nehmen ihre Umwelt nur nach ihren eigenen Unterscheidungen wahr. Eine Vertriebsabteilung sieht den Markt anders als die Rechtsabteilung, und beide haben aus ihrer Logik recht.
Für Veränderungsvorhaben hat das eine wichtige Folge. Von außen lässt sich ein System nicht direkt steuern, nur anregen, in der Sprache der Systemtheorie „irritieren“. Wie es auf eine Maßnahme reagiert, entscheidet das System selbst. Systemische Beratung stellt deshalb Fragen, macht Muster sichtbar und setzt Impulse, statt Lösungen zu verordnen.
Die Theorie ist anspruchsvoll und in ihrer Begrifflichkeit oft schwer zugänglich. Ihr praktischer Kern hilft trotzdem: Widerstand ist kein böser Wille einzelner Personen, sondern eine Reaktion des Systems, das sich selbst erhalten will (siehe Widerstand als Ressource).