Pretotyping (von pretend, vortäuschen, und prototype) bezeichnet Experimente, die klären, ob Menschen ein Produkt wirklich nutzen oder kaufen würden, bevor man es baut. Der Ausdruck stammt von Alberto Savoia, der ihn aus seiner Arbeit als Innovationsverantwortlicher bei Google entwickelte und in Pretotype It (2011) und The Right It (2019) beschrieb. Seine Unterscheidung: Ein Prototyp fragt, ob sich etwas bauen lässt und wie es funktioniert. Ein Pretotyp fragt vorher, ob es überhaupt jemand will.
Typische Formen sind die Fake Door (Scheintür), ein Knopf oder Angebot für etwas, das es noch nicht gibt und bei dem nur gezählt wird, wer darauf klickt, sowie von Hand erbrachte Leistungen, die für die Nutzer automatisch wirken. Entscheidend ist, dass Verhalten gemessen wird und nicht Meinungen. Savoia verlangt außerdem, vorab eine Schwelle festzulegen (die XYZ-Hypothese: mindestens X Prozent von Y Personen tun Z), damit das Ergebnis nicht nachträglich schöngedeutet wird.
Im Wissensbereich steht Pretotyping im Artikel zum Prototyping, wo es von Prototypen im engeren Sinn abgegrenzt wird, und im Artikel zum Lean Startup, mit dessen Minimum Viable Product es sich weitgehend überschneidet. Auch der Design Sprint verweist darauf für Fragen, die ein Entwurf allein nicht beantwortet.
Eine Grenze: Scheinangebote und verdeckte Handarbeit können Vertrauen kosten, wenn Kundinnen und Kunden es später erfahren. Belegt sind vor allem Berichte aus der Praxis; Vergleichsstudien, ob Pretotyping bessere Entscheidungen liefert als andere Testformen, sind mir nicht bekannt.
Quellen
- Savoia, A. (2011): Pretotype It. Selbstverlag.
- Savoia, A. (2019): The Right It. HarperOne.