Zurück zum KlanglaborKlanglabor · 4/5

Hörtäuschungen

Hören ist Rechnen. Das Ohr liefert Schwingungen, das Gehirn macht daraus Tonhöhen – und rechnet dabei manchmal etwas dazu, das physikalisch gar nicht da ist.

Starte leise, besonders mit Kopfhörern. Alle Töne entstehen live in deinem Browser; ein Begrenzer fängt Lautstärkespitzen ab.

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Ein Bass, den es nicht gibt

Ein Handylautsprecher strahlt unterhalb von einigen hundert Hertz kaum noch Schall ab. Trotzdem hörst du über ihn Männerstimmen und Basslinien in ihrer richtigen Tonlage. Beim klassischen Telefon war es genauso: Es überträgt erst ab etwa 300 Hz, und eine Stimme mit einem Grundton von 100 Hz klingt trotzdem nicht höher.

Der Grund: Das Gehirn bestimmt die Tonhöhe nicht aus dem tiefsten Ton, sondern aus dem Takt, in dem sich die Welle wiederholt – und der bleibt gleich, auch wenn der Grundton fehlt. Nimm hier die tiefsten Teiltöne weg: Der Klang wird dünner, die Tonhöhe bleibt. Mit der Melodie wirkt es am stärksten.

Tiefster erklingender Teilton
110 Hz
Gehörte Tonhöhe
110 Hz · A2
Beispiel

02

Ein Ton, der endlos steigt

Dieser Ton steigt und steigt – und ist nach einer Minute doch nicht höher als am Anfang. Er besteht aus zehn Tönen im Oktavabstand, die gemeinsam gleiten. Laut sind nur die mittleren: Oben verklingen die Töne unmerklich, unten tauchen neue leise auf. Das Ohr folgt der Bewegung, nicht der Lage. Roger Shepard beschrieb die Treppe 1964, Jean-Claude Risset kurz darauf die gleitende Fassung. Filmmusik nutzt den Effekt für Spannung, die nie aufgelöst wird.

Der Ton steigt seit
0 s
Höher als am Anfang?
Nein – nach jeder Oktave ist alles wie vorher
Richtung
Form