Der Kommunikationswissenschaftler Everett Rogers fasste 1962 in Diffusion of Innovations Hunderte Studien zusammen, von der Verbreitung von Hybridmais unter Farmern in Iowa bis zu neuen Medikamenten unter Ärzten. Das Ergebnis ist eine S-förmige Kurve: Wenige fangen an, dann folgen immer mehr, schließlich flacht die Kurve ab, weil fast alle mitmachen.
Bekannt sind vor allem Rogers’ fünf Gruppen von Übernehmenden, grob nach Anteilen: Innovatoren (etwa 2,5 Prozent), frühe Übernehmende (13,5), frühe Mehrheit (34), späte Mehrheit (34) und Nachzügler (16). Weniger bekannt, aber für die Praxis wichtiger, sind die fünf Eigenschaften, die bestimmen, wie schnell sich eine Neuerung ausbreitet:
- Relativer Vorteil: Ist sie spürbar besser als das Bisherige?
- Kompatibilität: Passt sie zu Werten, Erfahrungen und Arbeitsweisen?
- Komplexität: Ist sie leicht zu verstehen und zu nutzen?
- Erprobbarkeit: Kann man sie im Kleinen ausprobieren?
- Beobachtbarkeit: Sieht man die Ergebnisse bei anderen?
Für die Einführung von KI-Werkzeugen oder neuen Arbeitsweisen ist diese Liste eine gute Prüffrage. Eine Lösung, die den Arbeitsalltag komplizierter macht und deren Nutzen niemand bei Kolleginnen und Kollegen beobachten kann, verbreitet sich kaum, egal wie gut sie technisch ist.
Die frühen Übernehmenden sind außerdem nicht nur schneller, sondern oft Meinungsführer, an denen sich andere orientieren. Deshalb setzt Change Management gern bei ihnen an. Verwandt ist das Modell der Technologieakzeptanz, das den Einzelnen statt der Gruppe betrachtet.