James G. March (1928–2018) war ein amerikanischer Organisationsforscher, der zunächst an der Carnegie Mellon University und später an der Stanford University lehrte. Mit Herbert Simon schrieb er Organizations (1958), mit Richard Cyert A Behavioral Theory of the Firm (1963), zwei Grundlagenwerke der verhaltenswissenschaftlichen Organisationstheorie. Sie beschreiben Entscheider nicht als vollständig rational, sondern als begrenzt rational.
Am häufigsten wird heute sein Aufsatz „Exploration and Exploitation in Organizational Learning“ von 1991 zitiert (Organization Science 2(1), 71–87). Darin unterscheidet March zwischen Exploitation, dem Nutzen und Verfeinern von Bekanntem, und Exploration, dem Suchen, Experimentieren und Entdecken von Neuem. Exploitation bringt schneller und sicherer Erträge, Exploration ist unsicher und wirft oft nichts ab. Organisationen, die nur das eine tun, geraten nach Marchs Argumentation in Gefahr: Wer nur nutzt, erstarrt; wer nur sucht, bezahlt Experimente, ohne je zu ernten.
Aus diesem Gegensatz entwickelte sich die Forschung zur Ambidextrie, also der Fähigkeit, beides zugleich zu leisten. Das Modell strukturell ambidextrer Organisationen von Tushman und O’Reilly baut darauf auf.
Eine Anmerkung zur Rezeption: March beschrieb ein Spannungsverhältnis um knappe Ressourcen, keine Anleitung. Die spätere Managementliteratur macht daraus häufig eine Forderung nach „Balance“, die bei March so nicht steht.
Quellen
- March, J. G. (1991): Exploration and Exploitation in Organizational Learning. Organization Science 2(1), 71–87. Eintrag bei IDEAS/RePEc.
- March, J. G. & Simon, H. A. (1958): Organizations. Wiley.
- Cyert, R. M. & March, J. G. (1963): A Behavioral Theory of the Firm. Prentice-Hall.
- In Memory of James G. March (1928–2018), Universität Bergen.