Der Status-quo-Bias beschreibt die Neigung, beim Gegenwärtigen zu bleiben, auch wenn eine Alternative gleichwertig oder besser wäre. William Samuelson und Richard Zeckhauser zeigten ihn 1988 in Experimenten und an Daten aus der Praxis, etwa zur Wahl von Krankenversicherungsplänen an einer Universität: Bereits Versicherte blieben häufiger bei ihrem bisherigen Plan, als es neue Beschäftigte mit dem gleichen Angebot taten. Johnson und Goldstein (2003) fanden bei der Organspende, dass die Voreinstellung der Regelung (Zustimmung oder Widerspruch) die Teilnahmequote stark beeinflusst. Das Prinzip der Voreinstellungen (defaults) greifen Thaler und Sunstein in ihrer Idee der Entscheidungsarchitektur auf.
Als Erklärungen werden genannt: die Verlustaversion, die den Wechsel als möglichen Verlust erscheinen lässt (Kahneman, Knetsch & Thaler 1991); Wechselkosten und Unsicherheit; und schlichte Trägheit. Gal (2006) bezweifelt, dass Verlustaversion nötig ist, um das Phänomen zu erklären. Zudem kann das Bleiben rational sein, wenn ein Wechsel Aufwand kostet oder die Alternative unbekannt ist. Ob eine Entscheidung ein Bias ist, zeigt sich erst im Vergleich mit dem tatsächlichen Nutzen.
In Veränderungsvorhaben gilt der Status-quo-Bias als eine Quelle von Zurückhaltung gegenüber Neuem (Widerstand gegen Veränderung). Wie ein Team mit der Frage umgeht, ob das Bestehende angezweifelt werden darf, hängt auch von der psychologischen Sicherheit ab.
Quellen
- Samuelson, W. & Zeckhauser, R. (1988). Status Quo Bias in Decision Making. Journal of Risk and Uncertainty, 1(1), 7–59.
- Kahneman, D., Knetsch, J. L. & Thaler, R. H. (1991). Anomalies: The Endowment Effect, Loss Aversion, and Status Quo Bias. Journal of Economic Perspectives, 5(1), 193–206.
- Johnson, E. J. & Goldstein, D. (2003). Do Defaults Save Lives? Science, 302(5649), 1338–1339.
- Gal, D. (2006). A Psychological Law of Inertia and the Illusion of Loss Aversion. Judgment and Decision Making, 1(1), 23–32.