Ein Post-Mortem ist die Untersuchung nach einem Misserfolg. Der Psychologe Gary Klein schlug 2007 in der Harvard Business Review vor, diese Untersuchung vorzuziehen. Das Vorgehen ist einfach:
- Das Team kennt den Plan und ist bereit, loszulegen.
- Die Moderation sagt: „Stellt euch vor, es ist ein Jahr später. Das Vorhaben ist gründlich gescheitert. Schreibt in zwei Minuten auf, warum.“
- Alle schreiben für sich, dann werden die Gründe reihum gesammelt.
- Das Team entscheidet, welche Gründe den Plan ändern sollten.
Der Trick liegt im Perspektivwechsel. Die Frage „Was könnte schiefgehen?“ lädt zu vorsichtigen Antworten ein. Die Feststellung „Es ist schiefgegangen“ macht Kritik zur Aufgabe statt zum Angriff. Studien zur sogenannten vorweggenommenen Rückschau zeigten, dass Menschen deutlich mehr Gründe für ein Ereignis finden, wenn sie sich vorstellen, es sei bereits eingetreten.
Das Pre-Mortem wirkt gegen mehrere Verzerrungen zugleich: gegen den Planungsfehlschluss, gegen Gruppendenken und gegen die Überzeugung, der eigene Plan sei gut, weil man ihn selbst gemacht hat. Daniel Kahneman nannte es eine der nützlichsten Techniken, die er kenne.
Für Vorhaben mit KI-Agenten lässt sich die Frage zuspitzen: Angenommen, der Agent hat das Projekt in sechs Monaten an die Wand gefahren. Welche seiner Annahmen hat niemand geprüft?