Den Begriff groupthink prägte der Psychologe Irving Janis 1972. Er untersuchte außenpolitische Fehlentscheidungen der USA, am bekanntesten die gescheiterte Invasion in der Schweinebucht auf Kuba 1961. Die Berater um Präsident Kennedy waren hochqualifiziert. Trotzdem stimmten sie einem Plan zu, dessen Schwächen im Nachhinein offensichtlich waren. Mehrere hatten Zweifel, äußerten sie aber nicht, weil die Runde sich einig schien.
Janis beschrieb typische Anzeichen: ein Gefühl der Unverwundbarkeit, das Abtun von Warnsignalen, Druck auf Abweichler, Selbstzensur und die Illusion, alle seien einer Meinung. Besonders anfällig sind Gruppen, die sich stark verbunden fühlen, von außen abgeschirmt sind und eine dominante Führungsperson haben, deren Meinung früh bekannt ist.
Das Modell ist in seiner ursprünglichen Form empirisch umstritten; nicht alle Anzeichen treten gemeinsam auf, und viele Fallstudien wurden erst im Nachhinein gedeutet. Der Kern hat sich aber gut gehalten: Gruppen urteilen schlechter, wenn Widerspruch sozial teuer ist.
Gegenmittel setzen genau dort an. Die Führungsperson äußert ihre Meinung zuletzt. Eine Person übernimmt ausdrücklich die Rolle des Widerspruchs. Einschätzungen werden erst einzeln und schriftlich gesammelt, dann diskutiert. Und Teams brauchen psychologische Sicherheit, damit Zweifel überhaupt ausgesprochen werden. Das Pre-Mortem ist ein Werkzeug, das Kritik ausdrücklich erlaubt.