Der Verdrängungseffekt (englisch motivation crowding-out) beschreibt, dass ein äußerer Anreiz die innere Motivation nicht nur ergänzen, sondern verringern kann. Wer eine Tätigkeit aus Interesse oder Pflichtgefühl ausübt und dafür plötzlich bezahlt oder an einer Kennzahl gemessen wird, erlebt sie womöglich als Auftragsarbeit und tut sie ohne Bezahlung weniger gern.
Psychologisch wurde das früh von Edward Deci untersucht, ökonomisch hat der Schweizer Ökonom Bruno Frey das Konzept in der Wirtschaftswissenschaft verbreitet. Frey und Oberholzer-Gee (1997) fanden in einer Befragung in Schweizer Gemeinden, die für ein Endlager im Gespräch waren, dass die Zustimmung sank, als eine Entschädigung angeboten wurde. Frey und Jegen (2001) werteten die empirische Literatur dazu aus. Der Effekt gilt als verwandt mit der Selbstbestimmungstheorie, die erklärt, warum Kontrolle von außen das Erleben von Autonomie schmälert.
Für Organisationen ist das ein zweiter Grund neben der Verzerrung der Zahl selbst, Kennzahlen nicht ungeprüft an Prämien zu koppeln: Der Anreiz kann die Sorgfalt verdrängen, die er fördern sollte.
Eine Grenze: Der Effekt tritt nicht immer auf. Er hängt davon ab, ob die Belohnung als kontrollierend oder als Anerkennung erlebt wird, und wie groß er in der Breite ist, wird in der Forschung kontrovers diskutiert.
Quellen
- Frey, B. S. & Oberholzer-Gee, F. (1997). The Cost of Price Incentives: An Empirical Analysis of Motivation Crowding-Out. American Economic Review, 87(4), 746–755.
- Frey, B. S. & Jegen, R. (2001). Motivation Crowding Theory. Journal of Economic Surveys, 15(5), 589–611. IDEAS.
- Deci, E. L., Koestner, R. & Ryan, R. M. (1999). A meta-analytic review of experiments examining the effects of extrinsic rewards on intrinsic motivation. Psychological Bulletin, 125(6), 627–668.