Das Modell entwickelte Dave Snowden ab Ende der 1990er Jahre, zunächst im Wissensmanagement bei IBM. Der Name ist walisisch und bedeutet ungefähr „Lebensraum“ oder „Ort vielfältiger Zugehörigkeit“. Bekannt wurde das Modell 2007 durch einen Artikel von Snowden und Mary Boone in der Harvard Business Review.
Cynefin unterscheidet vier Bereiche:
- Klar: Ursache und Wirkung sind offensichtlich. Es gibt bewährte Verfahren. Vorgehen: erfassen, einordnen, reagieren.
- Kompliziert: Der Zusammenhang ist erkennbar, aber nur mit Fachwissen. Es gibt mehrere gute Lösungen. Vorgehen: erfassen, analysieren, reagieren.
- Komplex: Ursache und Wirkung erkennt man erst im Nachhinein. Vorgehen: vorsichtig ausprobieren, beobachten, reagieren.
- Chaotisch: Es gibt keinen erkennbaren Zusammenhang, es muss sofort gehandelt werden. Vorgehen: handeln, erfassen, reagieren.
Dazu kommt ein fünfter Bereich in der Mitte, die Verwirrung: Man weiß nicht, in welcher Lage man sich befindet, und greift auf das Vorgehen zurück, das man gewohnt ist.
Das Modell erklärt gut, warum agiles Vorgehen nicht für alles passt: Für komplizierte Aufgaben, etwa eine Brücke zu bauen, ist ein sorgfältiger Plan richtig; für komplexe Aufgaben, etwa ein neues Produkt zu finden, sind kurze Experimente klüger (siehe Agiles Arbeiten). Verwandt, aber nicht gleich, sind Wicked Problems und kind und wicked Lernumgebungen: Cynefin fragt nach Ursache und Wirkung, Hogarth nach der Qualität der Rückmeldung.